Freitag, 12. Dezember 2014

Vom wahren Untergang des Abendlandes

Ich fordere von unserer vermeintlich christlich-demokratischen Regierung und Bevölkerung, dass sie im Bezug auf den aufstrebenden Rechtspopulismus das tut, was wir unentwegt von Muslimen gegenüber dem sogenannten IS verlangen: SICH DISTANZIEREN.
Es gibt Stimmen gegen PEgIdA und wie der ganze Rechtsdreck auch heißen mag, aber sie sind zu leise und zu wenige und sie sind nicht engagiert genug wirklich etwas zu tun. Es gibt keinen offenen Brief von hunderten namenhaften christlichen Gelehrten, die dieses Verhalten mit Hilfe von biblischer Exegese auseinandernehmen und verurteilen oder die die wahren Werte unseres Abendlandes herausstellen. Es wird höchste Zeit.
Vor allem muss mehr kommen von unserer Kanzlerin, auch wenn ihr Innenpolitik nie wichtig wahr, seit ihrer Machtübernahme, sie ist die Königin der Außenpolitik. Ihr scheinbares Credo, die innenpolitischen Probleme lösen sich schon von allein, wenn es in der Welt läuft, funktioniert nicht mehr, da nichts mehr läuft in der Welt.  Wirtschaft ist nicht alles
Aber auch wenn sie sich nicht um das Innere kümmern möchte, muss sie wenigstens ihre Leute in den Griff bekommen. Da darf sich keine Schwesterpartei auf die Seite der dümmsten Populisten stellen und plötzlich eine Deutsch-Pflicht in der heimischen Küche fordern, die nirgendwo in Deutschland so lächerlich ist wie in Bayern, aber auch die wissenschaftlich relevanten Fakten, die dagegen sprechen, wurden bereits medial umfangreich ausgewertet, sodass Wiederholung hier überflüssig wäre. 
Da darf auch kein CDU-Ministerpräsident eine Special-Task-Force gegen kriminielle Ausländer ins Leben rufen, die sich in keiner Statistik des Bundeslandes nachweisen lassen, nur um die Vorurteile und Ängste seiner Bürger noch zu stärken. Der Kampf gegen Vorurteile ist schwer und auch langjährige Forschung hat kaum effektive Methoden dagegen entwickeln können, aber hingehen und sagen, ja du hast recht, wir können zwar keinen Nachweiß dafür finden, aber Ausländer könnten gefährlich sein, ist mit Sicherheit der falsche Weg, aber Politik und Logik gehörten ja noch nie zusammen. Schade Herr Tillich, dass Ihnen das Vertrauen der halbwegs gemäßigten Sachsen nicht reicht und Sie unbedingt die Liebe der NPD-Wähler gewinnen wollen. 
Rechtsradikale Gewalt wird noch weitestgehend abgelehnt, aber die rechtspopulistische Äußerungen werden immer beliebter: "Ich bin ja kein Nazi, ABER... "
Es ist ungefähr als ob ich sage: "Ich bin ja nicht naiv, aber ich glaube daran, dass ein friedliches Zusammenleben funktionieren kann."

In was für einem Land leben wir eigentlich?
Da setzen Menschen ihr Leben aufs Spiel, geben alles Geld, das sie haben und lassen alles zurück, um ihre Kinder aus dem Krieg herauszubringen, damit sie zur Schule gehen können, nicht täglich Bomben, Waffen, tote Menschen und Körperteile sehen müssen, schlicht dafür dass sie LEBEN können und eine Zukunft haben können. Ein minimaler Bruchteil schafft es hierher. Darf in einem schimmeligen Raum, Container oder unbeheiztem Zelt bei -3°C unterkriechen und sonst dürfen sie nichts. Sie müssen da bleiben, dürfen keine Deutschkurse besuchen, geschweige denn etwas zur Gesellschaft beitragen und dann kommt da jemand und zündet "ihre" Unterkunft an. Die Angst und die Erinnerung an Krieg, Tod und Zerstörung kehren zurück. Vom Krieg in den Tod. 
Das sind also unsere abendländischen Werte, die wir bedroht sehen?!
Das macht mir Angst. Das tut mir weh. 

Ich kann noch nachvollziehen, dass Menschen am sogenannten Rand der Gesellschaft mit wenig Bildung und noch weniger Bildungschancen für ihre Kinder und ohne Job und Perspektive auf die "Argumente" der rechten Menschenfänger hereinfallen. Obwohl ich mir auch hier wünschen würde, dass diese Menschen erkennen können, dass ihre Probleme der Wirtschafts- und Sozialpolitik geschuldet sind und nicht an ihrer rumänischen Nachbarin liegen, die einen Job macht, den sie selbst gar nicht wollen. 
Leider entwickelt auch die halbwegs gebildete Mittelschicht immer mehr bedenkliche Tendenzen, ohne Not und ohne eigene schlechte Erfahrungen. 

In Dresden laufen 10 000 Menschen, Tendenz steigend, einem vorbestraften Typen hinterher, der um einer Haftstrafe zu entgehen, nach Südafrika FLÜCHTETE, er flüchtete nicht vor Krieg oder Folter, sondern vor rechtsstaatlicher, gerechter Strafe und macht jetzt mobil und läuft jetzt Sturm gegen 0,4 % der sächsichen Bevölkerung, denn nur so viele der über 4 Millionen Sachsen sind Muslime und ein noch viel kleinerer Teil ist radikal. Letztes Jahr wurden in Sachsen 2217 rechts- und linksradikale Straftaten begangen und nur 3 mit ausländerextremistischem Hintergrund. Ja, das sind 3 zu viel, aber es sind 2220 zu viel. Das ist ein gesellschaftliches oder auch politisches Problem. Der Mensch an sich ist böse, der eine mehr der andere weniger. Aber sind die 10000 Demonstranten weniger böse als die 100 Salafisten? 
Als die NSDAP 1933 die Macht ergriff, so nennt man das im Geschichtsunterricht, wurden sie gwählt und zwar von der Minderheit (43,6%). Dennoch hat diese Minderheit gereicht um Deutschland innerhalb von 6 Jahren komplett zu verändern und den Widerstand zur Minderheit zu machen. Die eine Hälfte hat nicht hingesehen haben wollen die andere Hälfte fand das im Prinzip schon alles richtig so. 
Sind das die abendländischen Werte, um die wir uns sorgen?

Als vor 2 Jahren ein Kommilitone sagte, die Behandlung  der Muslime in Deutschland entspräche der Behandlung der Juden von 1933 bis 1937, war ich empört und habe mich massiv dagegen gewehrt, weil ich fand, dass damit die Verbrechen und der Genozid an den Juden relativiert und verharmlost wird, der in diesen Jahren vorbereitet wurde und es in der heutigen Zeit keine systematische und politische Vertreibung der Muslime gibt. Doch wenn ich in den letzten Wochen die Nachrichten verfolge und sehe, was in "meinem" Land passiert, bin ich nicht mehr sicher, ob es unbedingt staatliche Gewalt braucht oder ob nicht das Wegschauen des Staates und der Gesellschaft genügt, damit ein Teil der deutschen Bevölkerung ihre abendländischen Werte durchsetzen kann.

Donnerstag, 13. November 2014

Vom Gesundheitswahn und anderen Religionen

Manchmal, wenn ich den Eindruck habe, mein Leben sei stressig, hole ich eine Zigarette hervor, zünde sie an, rauche und träume mir dabei eine bessere Welt. Das ist nichts, worauf ich besonders stolz bin, es ist aber auch nichts, weswegen ich mich schäme.
Neulich war es wieder so weit. Ich stand auf meinem Balkon und langsam wurde mein Kopf leicht und meine Beine zittrig (ja so fühlt sich das bei mir an und ich schwöre es war wirklich nur Tabak) und meine Gedanken sprangen leichtfüßig umher, da sprach mich plötzlich ein Mann an, der unten vorbei ging: "He, rauchen ist ungesund." Mal davon abgesehen, dass es sehr unhöflich ist Menschen bei ihren zeremoniellen Handlungen zu stören, war ich nur bedingt bereit mich damit auseinander zu setzen, deswegen entgegnete ich höflich aber bestimmt: "Das Leben ist ungesund." "Häää, versteh ich nicht."
Da ich heute meinen geduldigen Tag habe, bin ich bereit es zu erläutern.
Als gesund bezeichnen wir gemein hin Dinge, die nicht tötlich sind. Das Leben kann also nicht gesund sein, denn es führt unweigerlich zum Tod. Aber diese Weisheit ist ja allgemein bekannt. Das Leben ist aber vorallem deswegen ungesund, weil es uns permant dazu zwingt Dinge zu tun, die es unweigerlich verkürzen. Damit meine ich nicht meinen gelegentlichen Griff zur Zigarette, da dieser in seiner Seltenheit kaum Einfluss nehmen kann. Ich meine damit vor allem Dinge, die wir täglich tun müssen, weil sie zum Leben gehören. Raus gehen und uns dem tödlichen Straßenverkehr stellen, Arbeiten, das uns über kurz oder lang sowohl körperlich als auch seelich ruiniert, auch Essen ist gefährlich für unser Leben, es locken Vergiftungen, Krankheiten und Übergewicht, nicht zu essen ist allerdings sehr schnell tödlich, damit äußert ungesund.
Glauben/Religion ist gesund, da es vielen Menschen eine Perspektive/einen Sinn bietet, der das Leben überhaupt erst erträglich macht und es damit unweigerlich verlängert. Auch die Regeln, die die meisten Religionen bieten dienen sind gesund, da sie dazu dienen unnötige Risiken zu vermeiden, die das Leben verkürzen. Darüber hinaus sind die meisten Religionen, nicht auf dieses Irdenleben beschränkt und nehmen damit dem Tod seine ungesunden Aspekte.
Religion ist aber auch ungesund. Damit meine ich nicht, all die Versuche Religion zu benutzen, um kriegerische Handlungen zu rechtfertigen. Denn hinter jedem Krieg stecken immer ökonomische und machtpolitische Ziele, alles andere ist Propaganda. Religion ist so ungesund wie das Leben selbst. Denn durch die Hoffnung, die sie den Menschen gibt, animiert sie nur zu Aktivitäten und Aktivitäten sind immer gefährlich, wie oben beschrieben.
Der Gesundheitswahn dieser Gesellschaft ist auch ungesund, gegessen werden nur noch Pflanzen, die sich freiwillig zum Verzehr geopfert haben (Stichwort: Frutarier) und am besten roh, damit auch ja kein Vitamin getötet wird. Zusätzlich wird stundenlang gesportelt, natürlich nur zur Figuroptimierung, nicht um mit Freunden in spielerischen Wettstreit zu treten. All diese Dinge werden unter dem Deckmantel der Gesundheit getan, dabei geht der Spaß am Leben verloren und der Verlust des Spaßes am Leben ist lebensgefährlich, also ungesund.
Dabei wusste man schon vor tausenden Jahren: "Carpe Diem" (Pflücke den Tag). Mach was aus Deinem Tag, lass ihn nicht ungenutzt verstreichen, aber fülle ihn nicht übervoll mit Aktivitäten, sondern nutze ihn für Dich, tue Dinge, die gut für Dich sind und Dich bereichern. Nur so kann ein Leben so gesund wie möglich gelebt werden, in all seiner Unvollkommenheit und trotz der natürlichen Ungesundheit

Freitag, 5. Juli 2013

Von der eigenen Imperfektion und anderen Erkenntnissen

"Ich schaffe das. Ich kann das." Die Beruhigung eines jeden Studenten kurz vor der Prüfungsphase, wenn die so genannte Lernblockade ihn in die Verzweiflung treibt, da wird noch schnell ein Kuchen gebacken und die Wohnung geputzt und eigentlich ist man ganz stolz, was man so an einem Tag alles erledigt bekommt, was man schon ein halbes Jahr vor sich her schiebt, bis endlich etwas noch Unangenehmeres kommt. Dennoch weiß man, dass man seine Zeit gerade in wichtigere Dinge stecken sollte und dann ist das auch immer die Zeit, in der die interessantesten Veranstaltungen stattfinden, universitäre Vorträge, Festivals, kulturelle Veranstaltungen, Konzerte, Workshops. Es ist findet immer alles am Semesterende statt. Woran mag das liegen? Ich habe keine plausible Antwort.
Es ist wahrscheinlich nur ein Trugschluss. Es ist auch irrelevant, denn sie erscheinen nur spannend, weil man sie sowieso nicht besuchen möchte. 
Da ist man in dieser Phase, geht auf dem Zahnfleisch, möchte nur noch schlafen und tut es manchmal auch, weil man nicht weiß, wo man anfangen sollte. Man käme damit auch ganz gut klar, denn man weiß ja, dass es spätestens in 3 Wochen wieder vorbei ist. Aber was passiert, wenn da noch jemand anders ist. Entweder ist da jemand, der gerade keinen Stress hat, an einem anderen Punkt in seinem Leben steht und die gleiche Aufmerksamkeit fordert wie immer oder wenigstens erwartet, dass man ihn nicht grundlos anschreit oder urplötzlich anfängt zu weinen und man kann das nicht leisten, egal wie sehr man sich bemüht.
Oder da ist jemand der gerade genauso gestresst oder gar noch gestresster ist. Was macht man dann? Man wird herausgefordert, weil man liebt, will man für den anderen da sein und weiß nicht, woher man die Kraft nehmen soll. Man nimmt sich selbst zurück. Man weint lieber heimlich. Man will den Anderen nicht unter Druck setzen.
Das Problem ist, dass man während man in dem Stress festsitzt, der Meinung ist, das ganze Leben sei eine Prüfungsphase, man erinnert sich auch nur an Stress in der Vergangenheit und man denkt schon an all die stressigen Momente, die in der Zukunft lauern, man kommt nicht aus der Gedankenspirale. Wäre dies nicht, könnte man alles viel entspannter sein. Man würde sich an entspannte Momente erinnern und sich ganz bewusst für einige Zeit aus der Situation entziehen und  etwas Nettes machen um dann zurückzukommen und dem Stress wieder in die Augen zu schauen. Und aus dem "ich schaffe das" wird ein "das wird schon."
Man selbst ist immer unzulänglich und ungenügend, das ist das menschliche Wesen. Wenn wir das wissen, dass wir niemals etwas perfekt machen können, dass es nur Momente und Situationen gibt, die zu uns passen, da alle anderen auch imperfekt sind. Man kann es nicht gut machen, es kann nur gut sein.

Freitag, 26. April 2013

Von Pessimisten und anderen Wirtschaftskrisen

Pessimisten leben länger. Dies belegte eine Studie und viele Medien berichteten darüber. Endlich mal ein gute Nachricht, sollte man meinen, aber dies ist ein Trugschluss, für einen Pessimisten ist das eine schlechte Nachricht, denn er muss alles schlechte noch länger ertragen und sich immer weiter um seine Zukunft, Mitmenschen, Umwelt etc. sorgen. Für seine Mitmenschen ist es auch eine schlechte Nachricht, wenn sie seinen Leidenschaften nicht ebenso folgen, werden sie wohl früher sterben und sollten sie jünger sein als er heißt es einfach nur, dass sie sein Elend länger ertragen müssen. Alles in allem ist dies also eine schlechte Nachricht.
Ich habe weder die Studie noch die Berichterstattung darüber gelesen, weiß also nicht, welche Begründung angenommen wird. Meine Vermutung, warum der Pessimist länger lebt, ist weil er Risiken realistischer einschätzt und dem entsprechend aus dem Weg geht. Außerdem kann er auch überhaupt keinen Spaß daran entdecken sich mit 40 km/h auf einem Brett von einem Berg zu stürzen, weswegen man ihm auch nicht vorwerfen kann, er würde sich ja einen Wahnsinnsspaß durch die Lappen gehen lassen. Vielleicht liegt aber die längere Lebensdauer der Pessimisten an der wachsenden Lebensweisheit. Ich meine damit, dass man im Laufe des Lebens immer pessimistischer wird, weil man immer mehr schlechte Erfahrung macht. Wenn man also Menschen nach ihrer Weltsicht fragt, wird diese immer düsterer je älter der Befragte wird. Das würde bedeuten, dass überdurchschnittlich viele Optimisten jung sind. 
Aber was bedeutet es für die gesamte Gesellschaft, das Pessimisten länger leben. Eigentlich müsste sich daraus ergeben, dass eine Gesellschaft immer risikoscheuer wird, damit müsste sich die Wirtschaft stabilisieren und weniger krisenanfällig sein, andererseits wäre dies auch mit geringerem Wachstum verbunden und vielleicht wäre sie auch besonders kriesenanfällig, denn nehmen wir mal zum Beispiel an: A beginnt plötzlich pessimistisch gegenüber seiner Hausbank zu sein und nimmt sein ganzes Geld von seinem Konto, daraufhin sinkt die Wirtschaftskraft der Bank, worauf hin auch B pessimistisch wird und sich somit eine Kettenreaktion ergibt: Die Wirtschaft bricht zusammen. Diese Utopien implizieren aber, dass Pessimisten so viel länger leben als Optimisten, dass sie die Oberhand über die Gesellschaft gewinnen.

Mittwoch, 13. Februar 2013

7 Wochen ohne

Heute, an Aschermittwoch, begann ohne großes Getöse die christliche Fastenzeit. Sie dauert 40 Tage und endet an Ostern. Wer nachrechnet kommt auf einige Tage mehr. Aber ich habe dieses Jahr gelernt, dass der Sonntag von der Fastenzeit ausgenommen ist, damit sind es exakt 40 Fastentage. Das hätte mir mein Schokoladenfasten in der Jugend einfacher gemacht, aber ehrlich gesagt, finde ich, da geht ein wenig die Herausforderung verloren. 11,5 Mio Deutsche fasten in dieser Zeit irgendwie. Während das Fasten in der katholischen Kirche hauptsächlich mit Speisevorschriften, wie dem Verbot von Fleisch, Milch und Speiseöl einhergeht, setzt die protestantische Kirche mehr darauf Alltagsgewohnheiten zu überdenken und die eigenen Wertvorstellungen zu überprüfen. Seit mittlerweile 30 Jahren gibt es die Aktion der evangelische Kirche Deutschland "7 Wochen ohne." Diese Offensive setzt die Fastenzeit jährlich unter ein spezielles Motto und gibt mit Texten und Tipps Unterstützung die 40 Tage durchzuhalten. Diese Motti/Mottos scheinen manchmal ein wenig im Widerspruch zur Enthaltsamkeit zu stehen, die man erwartet, wenn man Fastenzeit hört. Doch meist erklären sich die Themen dann doch und rufen einfach dazu auf mal von einem anderen Blickwinkel auf eine Sache zu werfen: So zum Beispiel 2008 "Verschwendung - 7 Wochen ohne Geiz." Zunächst hörte sich Verschwendung wenig nach Fasten an, doch der Untertitel erklärt, dass es nicht um das sinnfreie Geldausgeben, sondern um eine bewusste und überlegte Absage an den Geiz geht, was doch ein wichtiges Thema der Zeit ist.
Bisher habe, ich seit dem ich 14 bin, in jedem Jahr irgendwie oder irgendwas gefastet - mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich. Meist drehte es sich um Schokolade, Alkohol, Fleisch oder das Verdaddeln von Zeit mit PC-Spielen wie Solitär oder ich verzichtete auf Freizeit, indem ich mir vornahm ganz bestimmte Dinge zu tun wie Sport oder fleißig sein. Alkohol und Spiele waren nie ein Problem, Schokolade war immer schwierig, aber das habe ich meistens durchgezogen, an Fleisch bin ich jedesmal gescheitert, wenn ich es mir vorgenommen hatte. Dinge tun die man vorher nicht getan hat, sind immer eine ganz eigene Sache, weil verzichten einfacher ist als aufraffen zumindest bei mir.
Die Aktion "7 Wochen ohne" habe ich noch nie mitgemacht, weil mich das Thema meist nicht interessiert hat beziehungsweise eher meine natürlichen Tendenzen unterstützt hat (z.B. Thema 2012 "gut genug - 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz", ist kein gutes Thema für mich, denn ich habe so schon Probleme mich zu Ehrgeiz aufzuraffen, also keine Herausforderung), wenn ich daran gedacht habe oder ich habe irgendwie nicht an die Aktion gedacht, wie beispielsweise 2011 Ich war's - 7 Wochen ohne Ausreden. Das wäre ein Thema gewesen, das ich gebraucht hätte, aber ich habe es leider verpasst.
Das diesjähriges Motto lautet: " Riskier was, Mensch - 7 Wochen ohne Vorsicht." Das Thema hat mich zunächst schockiert. Aber dann dachte ich, das kann dir kleinem Angsthase eigentlich nicht schaden, also versuche ich jetzt 7 Wochen etwas zu riskieren, bin gespannt, wie es läuft. Desweiteren habe ich festgestellt, dass sich Alkohol-Fasten nicht lohnt, da ich momentan sowieso nur sonntags zum Essen mal ein Glas Wein trinke. Schokoladenfasten möchte ich dieses Jahr nicht, weil sich Zucker reduzieren nicht mit meinem Sportprogramm vereinbaren lässt. Also werde ich es mit i-pod-Spiele und PC- Spiele fasten versuchen und ich werde meinen Fleischkonsum versuchen zu reduzieren, da ganz darauf zu verzichten, in meinem Kopf mit Scheitern verknüpft ist, hoffe ich, dass ein Erfolg beim Reduzieren zu einem Neuversuch des Verzichts im nächsten Jahr führt. 
Warum mach ich das ganze eigentlich? Ich tue das nicht aus religiösem Pflichtbewusstsein, denn das ist nicht mein Verständnis meiner Religion. Ich tue das auch nicht um abzunehmen, zu entschlacken oder ähnliches. Ich tue das um mein Verhalten zu reflektieren, womit verbringe ich meine Zeit, woran hängt mein Herz, welche Prioritäten möchte ich eigentlich setzen? Das sind die Fragen um die es geht, das ist der Sinn, den ich suche. Ich wünsche mir, dass mehr Leute über ihre Ziele nachdenken und ihr Verhalten reflektieren und die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit dies zu verwirklichen.

Samstag, 9. Februar 2013

Von Denkdiäten und anderen Güterverknappungen

Meine Lebenswelt verändert sich unaufhaltsam. Andauernd passieren neue Dinge, neue Menschen tauchen auf, neue Ideen begeistern mich, Nachrichten regen mich auf und alles möchte von meinem Gehirn bewältigt werden. Genau an dieser Stelle liegt die Schwierigkeit. Meist stehen ich neben mir und beobachte all das Geschehene wie ein Zeuge. Ich bin mit dem Leben so sehr beschäftigt, dass ich nicht keine Lust habe es intellektuell auszuwerten. Ich möchte mich nicht privat über meine Studieninhalte ereifern, ich möchte mich nicht über den Polit-Talk, den ich gestern gesehen habe, erneut aufregen, weil ich einfach keine geistige Kapazität daran verschwenden möchte.
Es ist nicht so, dass ich permanent beschäftigt bin, im Gegenteil, ich bin eher der gemütliche Mensch. Meine Freizeit gehört der Couch und nicht dem Computer.  Dabei gibt es so viele Dinge in der Welt zu denen ich gehört werden möchte. Doch es gibt eigentlich nichts zu sagen, weil ich nicht gerade mitten in meinem hundertsten ach so wichtigen Praktikum stecke, keine Zukunftspläne, die über das morgige Frühstück hinausgehen, schmiede und genau das ist mein Problem. Ich bewundere all diese Menschen, die in den Social Networks andauert Weltwichtiges zu verkünden haben und ich denke darüber nach, ob ich einen Kuchen backe oder fernsehe und bedauerlicherweise entscheide ich mich zu oft für letzteres. Und leider gibt es auch nichts zu sagen, weil  ich zu langsam bin, bis ich so weit bin meine Gedanken geordnet zu haben, ist es schon Schnee von gestern. Zu all den Themen, die in letzter Zeit öffentlich passiert sind, Revolutionen, Krisen, Debatten, wurde schon so viel gesagt, dass es sich nicht lohnt, ein weiteres Fass aufzumachen. Schade, ich hätte gern etwas dazu gesagt, doch als es jeweils aktuell war, war ich mit gammeln beschäftigt. Ja, ich weiß, das heißt heutzutage "chillen" - aber nein, ich habe nicht gechillt ich habe gegammelt. Wenn ich nicht andauernd von Hunger und Durst getrieben wäre, würde ich tatsächlich so lange in einer Position verharren bis ich Schimmel ansetze. Aber eigentlich macht mir das nichts, ich beklage mich nicht darüber, denn ich leide nicht darunter, denn mein Leben ist bequem so. Es sind nur diese Momente, wenn ich andere Menschen mit ihrem Elan beobachte, dann werde ich ein wenig melancholisch, aber das geht vorbei und ich hab ja noch soooo viel Zeit etwas ganz tolles auf die Beine zu stellen, warum überstürzen und deprimiert aufgeben müssen, weil es nicht klappt.
Das neue Jahr fing privat eher unspektakulär an, das Semester plätscherte so eben zu Ende ich hörte einige Vorträge, die wohl nicht die Welt bewegen werden, ich besuchte Veranstaltungen, die mich nur beeindruckten, ohne Impulse auszulösen.
Trotzdem werde ich mich in Zukunft wieder etwas mehr meinen Gedanken und ihrer Verschriftlichung widmen, denn es macht mir Spaß eine Meinung zu haben und diese auch zu vertreten.
Eines der Dinge, die mich in letzter Zeit beschäftigen, sind die zahlreichen Diätversuche von einigen Freunden und dann habe ich mir auch noch eine Arbeit gesucht, bei der jeder auf Diät zu sein scheint. Jeder hat seine Wege, den einen tut es gut, den anderen weniger, bei einigen verstehe ich den Wunsch zum Abnehmen, bei anderen tue ich das nicht. Was mich daran hauptsächlich fasziniert, ist das Kommunikationsbedürfnis der Diätenden. Ob Facebook, Blog oder der Mädelsabend, es scheint nur ein Thema zu geben. Mich schreit das an mit den Worten: "Schau, wie diszipliniert ich bin." "Lob mich." Ich glaube nicht, dass die Leute tatsächlich diese Aussagen treffen möchten. Sie möchten eher Unterstützung und nutzen die Öffentlichkeit, um sich selbst auf Spur zu halten, weil ihnen ein Versagen unendlich peinlich wäre.
Dass ich nicht viel von Diäten halte und dass ich mich immer wieder darüber wundere wie wenig die Leute über gesunde ausgewogene Ernährung und Jojo-Effekt und all das wissen, muss ich wohl nicht sagen. Aber die Leute, die wirklich ihre Ernährung zu einer gesunden Ernährung umstellen, das nur für sich tun (kein: "Ich muss schlank sein für meinen Schatz, Job, X.") und dann auch noch ein gesundes Maß an Sport treiben und sich trotzdem noch über andere Dinge als Essen/nicht Essen unterhalten können, sind schon bewundernswert. Sie sind es nicht, weil ich schlank sein für ein besonderes Gut oder wahnsinnig attraktiv halte, sondern weil sie unzufrieden waren und es geschafft haben, ihre innere Schwäche zu überwinden. 

Dienstag, 18. September 2012

Vom Glück und anderen Verwandlungen

Nun weiß es mal wieder die ganze Nation: Ich lebe in der glücklichsten Stadt. Ach nein, ich lebe in der Stadt mit den glücklichsten Menschen, man sollte schon präzise sein. Mich hätte dieses Ergebnis eigentlich nicht verwundert, denn ich kenne die Vorzüge dieser Stadt und ich schätze meine glücklichen Mitmenschen auch sehr, denn Glück ist ebenso ansteckend wie Gähnen. Wenn sich nur eine Gruppe, die eine kritische Masse überschreitet, glücklich fühlt, hebt sie auch die Glücksgefühle der anderen, man müsste sich ja auch schämen in so einer Stadt unglücklich zu fühlen. 
Aber wie schon angedeutet, dieses Jahr überraschte die Nachricht doch etwas, denn in letzter Zeit begegneten mir sehr viele unglückliche Menschen. Das was sie scheinbar einte, war die Tatsache, dass sie alle Neu-Hamburger waren. Sie beschwerten sich über das scheußliche Hamburger Wetter und die weiten grünen Flächen und die vielen Radfahrer und die Gewässer überall und die unfreundlichen Menschen und die ewigen Ladenöffnungszeiten und die vielen Menschen, die so viel feiern und immer wieder über das Wetter. Den Punkt mit dem Wetter können viele vielleicht noch nachvollziehen. Der Regen mag Hamburg eben, aber wir haben wunderbares Wetter in Monaten in denen der Rest der Nation mit schlechtem Wetter zu kämpfen hat, trotzdem haben wir in der Tat keine 3 Sommermonate bei 38°C und ich bin dankbar dafür. Ich mag keine Hitze, schon gar nicht in Innenstädten, und der gewöhnliche Hamburger mag es auch lieber mild und der Regen hier ist meist auch kein schlechtes Wetter sondern nur eine Erinnerung an die Schönheit der Natur, wenn zum Beispiel nach einem kleinen Schauer alles feucht in der Sonne glänzt wie frisch poliert. Aber zurück zu meinen Neu-Hamburgern: Ich machte mir Sorgen, wie stark sich Menschen die Laune vom Wetter oder von der Abwesenheit der eigenen Mutter beeinflussen lassen, obwohl sie eigentlich schon seit 10 Jahren auf eigenen Füßen stehen sollten und wie wenig sie die Vorzüge dieser Stadt zu schätzen wissen beziehungsweise sie gar nicht zu sehen scheinen. Doch dann erkannte ich, was sie noch nicht erkannt hatten. Sie waren nicht unglücklich, weil sie nach Hamburg gekommen waren, sondern sie kamen, weil sie bereits unglücklich waren, weil ihr Leben davor den Bach herunterging und um das nicht wahrhaben zu müssen oder es noch abwenden zu können, versuchten sie neu anzufangen, aber ohne ihr eigentliches Problem zu lösen. Dieses projizierten sie dann auf das Neue in ihrem Leben -den Wohnort. 
Diese Erkenntnis erinnerte mich an ein weiteres Problem, das sich hieran gut erklären lässt: Die Geschichten dieser Neu-Hamburger klingen jetzt noch so: 
"Ich dachte dann halt -naja- probieren kann ich das ja mal, nun hat es halt nicht geklappt, hätte ich vielleicht auch vorher drüber nachdenken können."
In ein paar Wochen, Monaten oder Jahren klingt es dann so:
"Ich wollte das ja von Anfang an nicht, aber er/sie/es hat gesagt ich soll das machen und dann hab ich mich breitschlagen lassen, weil ich nicht so ein Arsch sein wollte, aber ich wusste ja schon vorher, dass das nichts werden kann."

Manche Menschen kommen vielleicht wirklich erst nach ein paar Wochen, dass dahinter, was sie eigentlich gefühlt haben und redeten es sich am Anfang noch schön. Aber die meisten Menschen beschönigen im Nachhinein ihre Meinung, um sich nicht die Blöße des Scheiterns zu geben. So verändern sich auch Geschichten von Trennungen im Laufe der Zeit, bei engen Freunden immer sehr schön zu beobachten, wenn man die Geschichte damals sogar miterlebte und sie dann ungefähr einmal im Jahr noch einmal hört, die Position des Erzählers wird immer edler. Aber wir können das unseren Freunden nicht wirklich übel nehmen, denn wir machen es genauso, wir merken es dann nur nicht so gut. Ich finde es sehr schade, dass der Mensch so selten in der Lage ist, seine eigene Unsicherheit zuzulassen und wenn sie erst im Nachhinein herauskorrigiert wird. Aber Geschichten in denen wir sagen: "So ich war damals halt noch mutig und hab dran geglaubt und irgendwie sollte es dann halt nicht sein, weil wir auch beide manche Dinge anders gemacht haben, als es der andere erwartete." sind doch auch schöne aufrichtige Geschichten.

Montag, 13. August 2012

Von Selbstzweifeln und anderen Leidenschaften

Seit 2 Stunden sitze ich da und schreibe Ideen, Entwürfe und Überschriften vor mich hin. Ich tue das nur, weil mir ein Thema auf der Seele brennt, über das ich im gleichen Maße schreiben und nicht schreiben möchte. Hier jetzt doch ein Versuch:

Sie kommen und sie gehen, doch leider gehen sie nie ganz: Selbstzweifel. Sie suchen mich immer ganz plötzlich heim, für gewöhnlich an lebensentscheidenden Punkten und Weggabelungen, manchmal kommen sie bevor ich abbiege, manchmal kommen sie danach. Aber sie treffen mich immer hart. Ich kann nicht mehr glauben, dass ich auch nur die kleinste Kleinigkeit auf die Reihe bekomme und ich kann mir noch weniger vorstellen, dass andere an mich glauben/ sich sicher sind, dass ich es schaffen kann. Ich möchte in diesen Momenten auch gar niemanden um mich haben, denn ich habe Angst sie mit in den Sog des Versagens zu ziehen und ich habe Angst ertappt zu werden, ertappt dabei ein Versager zu sein. Ich falle dann in meine alten Muster zurück und fange an mich selbst und alle anderen zu belügen, was ich eigentlich so tue und was ich eigentlich so geschafft habe und überhaupt wer ich eigentlich bin. Ich habe irgendwann den Moment verpasst an dem ich das noch steuern konnte, heute passiert es einfach automatisch, wenn ich mich in die Ecke gedrängt fühle, wie ein kleines Kaninchen, das im Todeskampf den Wolf beißt. Ich bin schon wahnsinnig stolz auf mich, dass es nur noch ganz selten so weit kommt, weiß aber nicht, ob es daran liegt, dass die anderen mir sowieso nix mehr zutrauen und mich deswegen nicht in die Ecke drängen oder ob ich tatsächlich mehr hinbekomme als früher. 
Wenn sie kommen, die Selbstzweifel, dann verliere ich jeden Antrieb, möchte nicht mehr aufstehen oder essen oder Dinge tun, bei denen ich versehentlich Spaß haben könnte. Ich habe keinen Antrieb, weil ich glaube zu scheitern und scheitere, weil ich nichts tue. Teufelskreisgefahr!
Wenn dann jemand kommt und versucht mir an diesem Tiefpunkt Mut zu machen, dann ist unsere Freundschaft eigentlich schon Geschichte, denn ich fühle mich belogen und habe den Eindruck, dass man sich über mich lustig macht. Manchmal hilft es vergangene Erfolge zu bedenken, aber meistens fallen mir dann automatisch alle Misserfolge ein und alles wird nur noch schlimmer. 
Irgendwann, wenn ich lange nichts schlechtes gehört habe, vergehen die Selbstzweifel wieder und trotzdem wundere ich mich, wie es andere Menschen mit mir aushalten. Ich bin leicht verletzbar und wenn ich wirklich verletzt wurde, dann bin ich auch sehr nachtragend und wenn ich einen Fehler gemacht habe, den ich für unverzeihlich halte versuche ich den anderen von mir fernzuhalten, damit ich gar nicht für etwas um Vergebung mitten muss, was mir nicht verzeihlich erscheint, ich werde einfach so zickig, dass der andere nichts mehr mit mir zu tun haben möchte. Es ist mir ein Rätsel, warum ich noch nicht auf einer einsamen Insel ausgesetzt wurde und ich finde die Vorstellung gar nicht so schrecklich, denn auf der einsamen Insel müsste ich keine unnützen Selbstzweifel hegen, denn der Zweifel, die Insel jemals verlassen zu können, ist durchaus berechtigt und außerdem könnte ich niemanden zur Last fallen. Aber aus irgendeinem Grund gibt es Menschen die mich mögen, die mich einfach ignorieren, wenn ich zweifle und wenn ich mich beruhigt habe sind sie da und stabilisieren meine positiven Gedanken, denn sie wissen, dass sie die negativen nicht beeinflussen können und alle die es nicht wissen, stehen nicht mehr auf meiner Liste... Bei manchen scheint mir das sehr schade, bei anderen war es leichter. 
Ich gebe zu, ich zweifle von Zeit zu Zeit ganz gern, ich leide auch mit Leidenschaft, ich mag es mich den kreisenden Gedanken hinzugeben, wenn es nicht um lebenswichtige Entscheidungen geht, da leide ich dann doch unter den Zweifeln, aber ansonsten sind sie treue und dankbare Begleiter und wer mich mögen will, muss es aushalten können, mich leiden zu lassen. Aber ich zweifle ja daran, dass mich jemand mögen will, warum sollte er? Vielleicht weil ich mit der gleichen Leidenschaft, mit der ich leide, auch genieße.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Vom Schweigen und anderem Zuckerguss

Woher kommen all die Zuckermädchen? Überall im Internet tummeln sich (kleine) Mädchen die in allen Glitzer-Regenbogen-Farben beschreiben, wie wundervoll ihre Welt ist. Nebenbei erfährt man welchen rosa Zuckergusskuchen sie gebacken haben oder wie gut doch der (pinke) Nagellack ( der natürlich nach dem "schmackhaften Cocktail von letzter Woche benannt ist, sonst hätte ich ihn nie gekauft") von der teuersten Designermarke doch hält. Aber nicht nur im Internet, sie sind auch auf der Straße überall und können bei einem gepflegten Caramel Macchiato stundenlang über den Tragekomfort von Lip-Gloss beim Tanzen und Küssen philosophieren. Dabei wundere ich mich gleichzeitig, wie Drogerieketten pleite gehen können, wenn diese Menschen meine Jahresausgabe an Drogerieartikeln an einem Tag ausgeben. Ich frage mich, womit solche Menschen ihr Geld verdienen und wie leicht dieser Job sein muss, wenn es einem so leicht fällt, das (hart) erarbeitete Geld so schnell und teilweise sinnfrei auszugeben. 
Auch ich mache mich auch gern hübsch und besitze mit Sicherheit Kosmetika, die man nicht braucht, aber es würde mir schwer fallen mehrere 100 € im Monat für Kosmetik und nochmal mehrere 1000 € für Kleidung auszugeben und ich sehe keinen Sinn darin von allem nur Markenprodukte besitzen zu müssen. 
Aber was mich an diesen puderrosa Mädels wirklich stört, ist ihre "die Welt ist so toll und nichts kann das ändern" Einstellung.
Ich möchte sie schütteln und ihnen sagen, sie sollen doch mal raus auf die Straße gehen und gucken, sollen mal in einem Kinderheim oder einer Asylunterkunft vorbeischauen oder einfach mal Nachrichten schauen und dann möchte ich von denen wissen, ob die Welt wirklich nur aus Zuckerguss und Rouge besteht.
Ich frage mich dabei: Ist das Arroganz (Wenn es mir gut geht, muss die Welt in Ordnung sein...)? Oder ist es eher Fluchtreflex (Ich kann es nicht ändern, also will ich mich damit nicht beschäftigen...)? 
Ich weiß es nicht und es ist ungerecht sie zu verurteilen, nur weil sie gern über ihr Lieblingsthema reden, aber sie nerven mich. Sie sind mir zu fröhlich und zu laut und sie kultivieren die Banalität. Ich glaube das ist der Beginn vom Zerfall der Kultur, wenn die Banalität das Wichtigste wird und all die philosophischen Fragen nach Sinn und Sein an Bedeutung verlieren.
Ich wünsche mir, dass wir wieder das Schweigen lernen, bis wir wirklich etwas wichtiges zu sagen haben. In Zeiten in denen sich jeder darstellen kann, sei es in sozialen Netzwerken, Blogs oder Castingshows haben wir verlernt, dass nicht alles, was gesagt werden kann, auch gesagt werden muss...

Montag, 14. Mai 2012

Von Freunschaften und anderen Haltbarkeitsdaten

Es gibt Freundschaften, die halten ewig, man teilte schon seine Kindheit miteinander, verbrachte seine "wilden Jahre" miteinander, erlebte gemeinsam die erste Verliebtheit und man hat bereits alle seine Konflikte, die man jeweils mit dem Charakter des anderen hatte, eher spielerisch (auch wenn es damals hoch dramatisch erschien) ausgetragen und irgendwann am Ende der Schulzeit trennen sich die Wege, aber die Lebensstile bleiben ähnlich (beide studieren oder eben nicht), aber auch nicht so gleich, dass man sich gegenseitig langweilt, manchmal hört man Monate nichts von einander, aber wenn man sich wieder sieht oder hört ist alles wie immer, man findet sofort ein Gesprächsthema, man weiß sofort, wie es dem anderen geht, man kennt sich und man weiß, dass man immer bei dem anderen vor der Tür stehen kann, ohne dass der andere einen im Regen stehen lässt.
Es gibt Freundschaften, die früher felsenfest erschienen und plötzlich mit dem Ende der Schulzeit in die Brüche gehen, entweder weil man sich entfremdet, zu unterschiedliche Lebensstile entwickelt und unterschiedliche Vorstellungen von der Intensität der Freundschaft hat oder sie enden, weil sie, im Nachhinein betrachtet, Abhängigkeitsbeziehungen waren, das heißt, einer war immer stärker als der andere, der eine hat immer den einen bewundert und ihm "gedient" und mit Beginn des neuen Lebensabschnitts gewinnt der bisher Schwächere Stärke und findet den anderen plötzlich uninteressant oder der andere erträgt keine Beziehung auf gleicher Ebene und zieht sich zurück.
Es gibt auch Freundschaften für gewisse Stunden, man teilt ein Hobby und findet sich ganz nett, verbringt Zeit miteinander und mit Ende des Hobbys geht man einfach auseinander, ohne dass einer der beiden darunter leidet.
Es gibt Freundschaften bei denen man miteinander eine ganze Weile viel Zeit miteinander verbringt, sich sehr nahe steht und bei denen plötzlich einer von beiden bei dem anderen Ansichten entdeckt, die er dem anderen nicht verzeihen kann oder man trifft klare Absprachen und einer von beiden kann sich daran nicht halten und darauf hin ist die Freundschaft einfach zerstört, einer ist einfach zu verletzt oder enttäuscht.
Es gibt aber auch Freundschaften, die entwickeln sich erst im Laufe des Lebens, eher zufällig, sie werden schnell sehr intensiv und scheinen ebenso fest wie die Freundschaften aus der Kindheit, aber sie sind zerbrechlicher. Meist werden sie aber durch partnerschaftliche Beziehungen gestört (nicht zwangsläufig zerstört): Entweder verliert einer der Befreundeten im Laufe der Freundschaft seinen Partner und hat plötzlich andere Ansprüche an den Freund, die der nicht erfüllen kann oder einer von beiden findet erst im Laufe der Freundschaft einen Partner und zieht sich zurück oder der andere fühlt sich plötzlich zurückgesetzt. Diese Freundschaften setzen nicht voraus, dass sie sich nur zwischen 2 Menschen, die Single sind oder beide in  Beziehungen sind, entwickeln können, sondern es ist nur so, dass sie sich in einem klar definierten Beziehungsgefüge entwickeln und in diesem extrem stabil sind, außerhalb dessen extrem fragil.
Und es gibt Momente im Leben, da sitzt du da und denkst:
Eigentlich habe ich 15 Freunde, die mir alle ziemlich wichtig sind, die mir nahe stehen und trotzdem habe ich gerade ein Problem und ich möchte keinen von ihnen hier haben und mit ihm drüber reden, was los ist. Der eine ist zu sehr involviert, bei dem anderen müsst ich zu weit ausholen und der Dritte hat überhaupt keine Erfahrung auf dem Gebiet, ein Gespräch scheint einfach aussichtslos, die Probleme des Nächsten scheinen so groß, dass die eigenen minimal erscheinen. An dieser Stelle fragt man sich, was man für Freund ist, der seinen Freunden scheinbar nicht vertraut und doch weiß man, dass man jederzeit für sie da wäre,wenn sie an gleicher Stelle säßen und man würde auch schweigend trösten, wenn es nötig wäre.
Freundschaften sind höchst kompliziert und ihre eigentliche Haltbarkeit beschränkt sich, trotz all meiner vorherigen Erläuterungen auf die Verfügbarkeit im richtigen Moment. Es ist egal, ob ich für gewöhnlich rund um die Uhr für alle erreichbar bin, wenn ich im entscheidenden Augenblick nicht da bin (egal ob selbst verschuldet oder zufällig nicht veränderbar), kann das eine Freundschaft so stark schwächen, dass sie sich in naher Zukunft einfach abschwächen wird, bis sie sich irgendwann ganz auflöst.

Sonntag, 29. April 2012

Vom Horizont und anderen Beschränkungen

Seit wenigen Tagen ist es mir wieder möglich, direkt von meinem Laptop auf das Internet zuzugreifen. Nach monatelanger (gefühlter jahrelanger) Abstinenz wusste ich jedoch gar nichts mehr damit anzufangen.
Wenn ich in letzter Zeit im Internet unterwegs war, beschränkte sich das häufig auf Mails checken, soziales Netzwerk öffnen, feststellen, das da auch nix spannendes passiert, wieder schließen und ab und an mal eine Recherche für das Studium, alles in allem war ich täglich nicht länger als 15 bis 30 Minuten im Netz unterwegs. Da saß ich nun am Freitag vor meiner neugewonnenen Freiheit und wusste nicht mehr wie man seine Lebenszeit verschwendet. Leider dauerte dieser Zustand nicht lange an. Bereits heute habe ich mich wieder stundenlang auf irgendwelchen Blogs verirrt und bin von einer Seite zur nächsten geirrt ohne zu wissen, warum ich angefangen hatte und was ich eigentlich wollte. 
Es ist wunderbar, jetzt werde ich abends nicht mehr das Gefühl haben, ich habe den ganzen Tag nichts gemacht, denn ich habe ja so viel gelernt, auch wenn ich es eigentlich gar nicht wissen wollte und auch nie wieder brauche. 
Als ich meine eigenen Posts durchstöberte, fiel mir auf, dass ich im Laufe der Zeit immer harmloser und weniger eloquent geworden bin. Ich weiß nicht genau, was mir die Bissigkeit geraubt hat. Ich vermute, es ist das Gefühl, dass bereits alles gesagt wurde, dass sich im öffentlichen Leben unseres Landes permanent alles wiederholt, dass die Menschen immer wieder die gleichen Fehler machen und man müde wird immer wieder nur zu kritisieren.
Diese Erkenntnis hat auch meinen Internetkonsum beeinflusst, ich habe gerade alle Blogs aus meinem Reader geschmissen, die in irgendeiner Form einen politischen Inhalt hatten oder nur dem Zweck der Gesellschaftskritik dienten und habe sie durch einige spannende Lifestyle-Blogs ersetzt.
Es ist nicht so, dass ich weniger politisch interessiert bin als früher, es ist nur so, dass ich mir zu schade bin alles 5 mal zu lesen oder zu hören und mich dann auch noch genötigt fühle meinen Senf dazu zu geben. Ich möchte mir wieder meine eigenen Gedanken machen und mit neuen Blogs zu neuen Themen möchte ich meinen Horizont erweitern, nicht um mich inhaltlich zu verändern und die 3000000ste Lifestyle-Bloggerin zu werden, sondern nur um mich mal in anderen Bereichen zu bilden und so neue Inspirationen für mein gewohntes Gebiet zu bekommen.
Es ist mit den Blogs mit dem Fernsehen. Obwohl ich nach 3 Minuten weiß, wer der Mörder ist und welche Wendung der Film nimmt, schaue ich immer wieder Krimis, weil bei geliebten Gewohnheiten Glückshormone ausgeschüttet werden und weil ich Erfolgserlebnisse (den richtigen Täter frühzeitig erkennen) mag. Bei den Blogs weiß ich, wer sich wie zu welchem Thema äußern wird noch bevor ich meinen Reader geöffnet habe, dabei bleiben allerdings die Glückshormone aus und es kommt eher Langeweile auf und es lähmt die eigene Kreativität. Ich suche mir jetzt also neue Impulse um wieder zu meiner alten Form zurückzukehren und mich wieder in aller Ruhe über die Welt im Generellen und im Speziellen aufzuregen.

Freitag, 13. April 2012

Vom Sein und anderen Träumen

Junge, lebensbejahende, einsame Studentin sucht: SICH SELBST. Wenn du das liest, dann melde Dich doch bitte bei mir, ich freue mich Dich kennenlernen zu können, Du sollst der wichtigste Teil meines Lebens werden, ich hoffe, wir teilen ein paar Hobbys und genießen es, Zeit miteinander zu verbringen. 
Erkennungszeichen: rosa Stoffpantoffel und schwarze Lederjacke.

So oder so ähnlich könnte sie lauten, die Kontaktanzeige der meisten Menschen in meinem Alter, denn es wird uns immer wieder bescheinigt, dass wir nicht wissen, wer wir sind und wo wir hinwollen und wer wir letztendlich sein möchten. Es erscheinen immer mehr Bücher, die uns nicht sagen, wer wir sind, sondern nur, dass wir es herausfinden sollen. Warum? Weil wir wissen müssen, wer wir sind, um uns zu dem heutigen Ideal zu verändern: erfolgreich, zielorientiert, selbstbewusst...

Ich möchte gar nicht wissen, wer ich bin. Ich möchte jeden Tag so sein, wie es mir gerade in den Sinn kommt, ohne abends darüber nachgrübeln zu müssen, warum alles, was ich heute getan habe, überhaupt nicht zu mir passt. Ich möchte heute voller Enthusiasmus ein neues Projekt anfangen, um morgen an der Sinnlosigkeit des Seins zu scheitern und tiefdeprimiert alles anzuzweifeln, was das Leben mir bietet. 
Ich tue heute Dinge, die ich vor knapp 2 Jahren noch ausgeschlossen habe, weil sie mir andere aufdiktieren wollten, heute tue ich sie, weil sie mit meinen aktuellen Werten übereinstimmen.
Natürlich hinterfrage ich mein Tun, wie jeder andere auch, besonders wie jeder andere junge Mensch. Manchmal stelle ich auch fest, dass mir nicht 100 prozentig gefällt, was ich tue, aber ich habe erkannt, dass ich nicht zu dieser Sorte Menschen gehöre, die einem festen Plan folgen können und sich dabei immer treu bleiben. Ich bin sprunghaft, pessimistisch, naiv, zynisch, zweifelnd, optimistisch, vertraue anderen nur schwer, stürze mich Hals über Kopf in intensive Freundschaften. Auch wenn sich die Hälfte davon gegenseitig ausschließt, bin ich so und ich mag mich so! Meistens.
Ich will mein aalglattes Ich nicht finden. Es mag sein, dass ich dann erfolgreicher, souveräner und sozial verträglicher wäre, aber ich wäre auch noch etwas anderes: LANGWEILIG.

Manchmal kommen die Wesen, die immer alles gradlinig auf die Reihe bekommen, auf mich zu und fragen mich, ob ich denn keine Träume habe.
Natürlich habe ich Träume, denn desillusioniert bin ich trotz allem nicht, mir ist auch durchaus bewusst, dass man für deren Erfüllung manchmal hart arbeiten und Dinge durchziehen muss, aber ich weiß auch, dass nicht alle Träume in Erfüllung gehen, egal wie hart man dafür arbeitet und was noch viel wichtiger ist, dass sich Träume im Laufe des Lebens ändern, sonst wäre ich schon längst Prinzessin am spanischen Hof und würde ein sehr trauriges Leben führen, weil ich mir mal mit 5 Jahren erträumt hatte, dass es nichts schöneres geben könne als Prinzessin zu sein und nichts mehr selbst tun zu müssen.
Mein wesentlicher Traum bleibt immer gleich: ein zufriedenes Leben mit meinem Partner an einem für mich schönen Fleckchen Erde, aber alle Träume darum herum ändern sich ständig, fast minütlich: Lieber Hausfrau oder Bundespräsidentin, lieber Katze oder Esel oder Schildkröte, lieber Dusche oder Badewanne oder Pool oder Whirlpool, lieber Wohnung oder Hütte im Wald oder Haus oder Villa oder Schloss?
Warum soll ich mich jetzt entscheiden und auf dieses Ziel hinarbeiten, wenn mir doch morgen schon etwas ganz anderes verlockend erscheinen könnte?
Warum heute schon entscheiden, wer ich in 20 Jahren sein will nur um dann enttäuscht zu sein, dass ich nicht die geworden bin, die ich sein wollte?

Montag, 16. Januar 2012

Von Ruhm und anderen Meinungen

Im ersten Viertel des neuen Jahres starten wieder reichlich Sendungen im deutschen Fernsehen, die den Menschen zu ihrer angemessenen Berühmtheit verhelfen, wieder verhelfen oder sie (im Falle der Jury-Mitglieder und/oder Moderatoren) auf ihrem Level halten.
Der Drang einiger Menschen berühmt zu sein, ist dabei so groß, dass sie auch negative Berühmtheit -im Sinne von sich lächerlich machen- in Kauf nehmen, um nach ihren 5 Minuten Ruhm vielleicht doch irgendwie in die ewige Geschichte einzugehen.
Obwohl ich diesen Drang nicht teile, kann ich ihn doch gut verstehen. Aufmerksamkeit braucht jeder und wenn man irgendwann einmal Mangel litt, braucht man von da an dauerhaft mehr. Ich kenne einige Leute, denen im Leben irgendwann mal irgendwas gefehlt hat und jetzt haschen sie permanent nach Aufmerksamkeit, ob auf der Straße, auf der Party oder im Seminar in der Uni. Warum die meisten von ihnen nicht in den großen Fernsehshows zu finden sind, liegt schlicht und einfach an ihrem hohen Intelligenzquotienten. Sie sind klug genug um vorherzusehen, dass diese 5 Minuten Ruhm nicht die Aufmerksamkeit sind, die sie suchen.

Ich möchte gar nicht berühmt sein und ich möchte auf gar keinen Fall auf der Straße erkannt werden als: "Das ist doch die, die da neulich..." Nein, das wäre überaus schrecklich. Dennoch habe ich nicht wirklich einen geringeren Anspruch als die Casting-Sänger, -Models und Dschungel-Prominenz:
Ich möchte WICHTIG sein. Eine echte kichererbse möchte gefragt werden, ich möchte in all diesen Polit-Talkshows sitzen und zu allen(!) gesellschaftlich relevanten Themen befragt werden, ich möchte immer eine Meinung haben, eine Meinung, die polarisiert, wäre noch besser und was ich sage, soll für die Menschen Bedeutung haben. Es soll nicht heißen: "Da hat irgendein junger Schnösel irgendwas gesagt, von dem er doch noch gar keine Ahnung hat!" Nein, es heißt: "Na, wenn die kichererbse das gesagt hat, dann muss ich da mal drüber nachdenken!"
Am Ende der Sendung verschwinde ich dann wieder in mein kleines unentdecktes bürgerliches Leben und wenn die Welt mich wieder braucht, dann bin ich montags bei Hart aber fair und TV total (die jungen Leute sollen ja nicht außen vor bleiben), dienstags bei Menschen bei Maischberger, mittwochs bei Anne Will und Stern TV, donnerstags bei Beckmann und Lanz, freitags in der NDR Talkshow, bei Tietjen und Hirschhausen oder was sonst gerade freitags abends vom dem NDR ausgestrahlt wird, samstags hab ich frei oder gehe zu irgendeinem anderen 3. Programm und sonntags bin ich bei Günther Jauch.
Es geht mir dabei nicht darum als Person berühmt zu werden, wie einige vielleicht jetzt meinen könnten ("Die kritisiert die doch nur, weil sie sich selbst darin wiederfindet."), eigentlich möchte ich nur, dass mal jemand die richtige Meinung vertritt, mal jemand die Aspekte beleuchtet, die die Politiker oder so genannte Experten auslassen, weil es unbequem ist. Ich möchte der Gesellschaft in Diskussionen mehr Optionen aufzeigen und zu mehr Nachdenken anregen.
Ich könnte auch zu allen wichtigen Themen einen blog schreiben? Aber die Leute, die die Meinung der Gesellschaft prägen lesen sicherlich nicht meinen blog. Außerdem kann man, besonders frau und im ganz Besonderen kichererbsen in gleicher Zeit viel mehr sagen als schreiben und damit viel schneller die Welt bewegen.

Dienstag, 22. November 2011

"was wäre, wenn..."

Ab und an kommt im Leben der Punkt, an dem wir uns entscheiden können... Aber jede falsche Entscheidung wiegt schwerer, je öfter wir in Folge dieser Entscheidung Punkte erreichen, an denen wir uns nicht entscheiden können. 
Es spielt dabei keine Rolle, warum wir uns nicht entscheiden können, wir erinnern uns immer an die Vergangenheit und fragen uns: "Was wäre, wenn..." 
Wir werden es nie erfahren, denn selbst wenn wir vor die gleiche Entscheidung gestellt würden hätten sich die Umstände geändert und es entsteht grundsätzlich ein neues "was wäre, wenn..."
Unser Leben erleichtert sich, sobald wir uns von dieser Frage befreien können, wir treffen unsere Entscheidungen dann nur noch aus den gegebenen Umständen heraus ohne vage Zukunftsvisionen oder Utopien zu berücksichtigen. "Aber was wäre, wenn..." wir später feststellen, dass wir die falschen Umstände berücksichtigt haben?
Das Schlimme sind aber selten die Vorstellungen, die wir uns vor einer Entscheidung machen, sondern viel mehr, die die wir uns machen, wenn irgendetwas nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es ändert nichts, wenn wir diese Gedanken haben, denn -wie bereits gesagt- wir werden es nie erfahren, aber dieses bittersüße Elend, in dem wir uns all zu gern baden, macht uns doch sehr menschlich. 
Manchmal bringt uns "was wäre, wenn..." soweit, dass wir nicht mehr in der Lage sind Entscheidungen zu treffen und wir zögern sie so lange hinaus, bis die Umstände sie für uns treffen und dann schreit die Stimme in uns noch lauter als sonst: "WAS WÄRE, WENN..."

Sonntag, 23. Oktober 2011

Von Qualifikation und anderen Quoten


Wenn man Debatten im deutschen Bundestag verfolgt, möchte man doch manchmal einfach nur rufen: "Leute, geht mal raus und schaut euch echte Menschen mit echten Problemen an!"
Aber gut, dann sprechen wir heute eben über Frauenquoten.
In anderen Ländern, wäre man schon froh, wenn überhaupt genug Arbeit für die Männer da wäre, da denkt man noch nicht mal an arbeitende Frauen. In wieder anderen Ländern gilt es als Schande, wenn die Frau für die Familie arbeiten muss oder möchte. Da sind wir doch in Deutschland gut bedient mit: Jeder kann tun und lassen, was er möchte.
Was bringt uns denn eigentlich eine Frauenquote? Ich dachte immer, das Arbeitsplätze mit Personen besetzt werden, die sich am besten dafür eignen und die den Personalchef am besten von ihrer Eignung überzeugen konnten.
Wenn dieser Personaler jetzt jede 3. Stelle einer Frau geben muss, ihn aber nur jeder 3000. überzeugen kann für die Stelle geeignet zu sein, dann müssen sich ja bei großen Unternehmen mit vielen freien Stellen nahezu alle deutschen Frauen bewerben um eine Frauenquote von 30 % zu erfüllen oder ist der Schluss den wir daraus ziehen müssen, dass jetzt Menschen eine Stelle bekommen, obwohl sie vielleicht gar nicht ideal dafür sind?
Was soll denn überhaupt, passieren wenn diese Quoten nicht erfüllt werden? Geldstrafen? Wie stark sich große Unternehmen von Geldstrafen beeindrucken lassen, ist ja aus der Vergangenheit hinlänglich bekannt.
Ich bin eine Frau und ich fühle mich von Frauenquoten diskriminiert, denn ich hätte immer Angst eine Stelle nicht zu bekommen, weil ich durch mein Können überzeugen konnte, sondern nur durch mein Geschlecht, weil das Unternehmen eine Quote zu erfüllen hat und bei freier Auswahl wären vielleicht 2 Männer besser oder wenigsten genauso geeignet gewesen.
Wenn ich ein Mann wäre, würde ich mich auch von Frauenquoten diskriminiert fühlen, aber über die Bedürfnisse des schwachen Geschlechts sprechen wir heute mal zur Abwechslung nicht.
Nach welchem Natur- oder Gesellschaftsgesetz richtet sich denn der Grundsatz bei gleicher Qualifikation und Eignung ist die Frau oder beispielsweise in Amerika der Dunkelhäutige vorzuziehen? Wenn ich eine Stelle zu besetzen hätte und nur 2 Bewerber, die gleich gut qualifiziert sind, dann wähle ich den aus, der besser ins Team passt und sich sympathischer präsentiert hat oder ich warte bis sich jemand bewirbt, der besser geeignet ist, welchen Grund gibt es denn Geschlechter als Kriterium zu wählen?
Weil Personalchefs es jetzt auch tun? Sonst würden ja nicht viel mehr Männer als Frauen arbeiten? Liegt das wirklich an der Auswahl der Personalchefs oder an der Eignung der Leute, die sich auf eine Stelle bewerben? Ich möchte damit nicht sagen, dass sich Männer für manche Dinge besser eignen als Frauen, sondern dass die Bewerber ihre Eignung unterschiedlich zeigen und einschätzen und Frauen sich vielleicht auch nicht trauen sich auf manche Stellen zu bewerben oder manche Stellen vielleicht auch gar nicht möchten.

Aber mir drängt sich noch eine ganz andere Frage auf: Erst kommt die Frauenquote und dann? Wir müssen 3% Katholiken in unserer Firma beschäftigen und 1% Sachsen und 5% Alleinerziehende und eine andere diskriminierte Gruppe sollten wir nicht unterschätzen 25% Übergewichtige und mindestens einen Ex- Drogenkonsumenten oder notfalls einen trockenen Alkoholiker.
Ich freue mich schon auf die neuen Bewerbungen und entweder die Firmen gehen baden oder es sind clevere Personalchefs und sie finden eine übergewichtige, alleinerziehende Katholikin aus Sachsen die in ihrer Jugend mal Haschisch geraucht hat und noch halbwegs für irgendeine Stelle im Unternehmen geeignet ist.

Eigentlich war dieser Post hoch aktuell, aber wegen Internet-Problemen musste die Veröffentlichung leider warten, aber vermutlich ist es eh eine Debatte, die so schnell nicht abreißt.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Von eigenen Wegen und anderen Ratschlägen oder Warum "alle anderen" uns immer schlagen

Jeder Weg, den wir gehen, führt uns zu einem Ziel, die Frage ist nur, ob es unser Ziel ist.
Jeder Ort, den wir besuchen, hat eine Besonderheit, die Frage ist nur, ob es für uns besonders ist.
Jede Situation, die wir erleben, ist wichtig, die Frage ist nur, ob sie für uns persönlich wichtig ist.
Jede Weisheit, die wir hören, hat eine Bedeutung, die Frage ist nur, ob sie für unser Leben eine Bedeutung hat.

Ja, wir können an so vielen Dingen reifen, wir können aus so vielen Erlebnissen lernen. Aber wir müssen nicht. Wir sind Menschen, wir sind verschieden.
Wir dürfen aufgeben, wir dürfen verlieren, wir müssen nicht wachsen, weil "alle anderen" daran gewachsen sind. Wir dürfen weitergehen gehen als "alle anderen", wir dürfen aber auch der sein, der als erstes stehen bleibt. Wir können springen, wenn "alle anderen" klettern, wir dürfen aber auch klettern, wenn "alle anderen" springen. Wir dürfen die spannendsten Geschichten erzählen, wir dürfen aber auch der sein, der einfach nur gespannt lauscht.
Ist es wirklich immer einfacher, die abgenutzten, glatten Stufen der anderen zu benutzen oder macht es manchmal mehr Sinn einen eigenen Weg ins Dickicht zu schlagen. Wer sagt uns, dass "alle anderen" es richtig machen und nicht vielleicht auch alle gedacht haben, sie würden es lieber anders machen. Wer sagt uns, dass "alle anderen" die richtige Entscheidung getroffen haben. Wer sagt es uns? Die Ratschläge und Weisheiten unserer lieben Mitmenschen ("aller anderen").

Nein, ich möchte nicht einfach nur sagen, dass wir Menschen verschieden sind und alle unseren eigenen Weg finden müssen. Ich möchte diese ewige "Kultur der Ratschläge" kritisieren. Was bilden wir uns eigentlich ein, zu wissen, was ein anderer gerade erlebt, denkt fühlt, braucht und was ihm wirklich hilft. Wer sind wir, dass wir sagen dürfen: "Mach es so und es wird besser." Wer gab uns das Recht immer eine Weisheit auf der Zunge parat zu haben?.
Wie gehen wir damit um, an dem Ratschlag eines anderen zu scheitern, wie fühlen wir uns. Wir fühlen uns miserabel, aber wir fühlen uns auch miserabel, wenn wir einen Ratschlag ausschlagen, ihn nicht berücksichtigen. Der Beratschlagte ist immer in der schwachen Position, besonders wenn er um Rat gebeten hat und keiner sein Problem erkannt hat und er keinen Ratschlag bekommen hat, der ansatzweise Erfolg verspricht.

Kennen wir es nicht alle: "Probier es doch mal, was hast du schon zu verlieren?!" Es ist das Tot-Schlag-Argument schlechthin. Was kann man diesem Ratschlag entgegnen? Dass man jetzt schon weiß, dass es schief gehen wird? Dann geht es halt schief, dann hast du aber deine Erfahrungen gemacht.
Wie viele Dinge in unserem Leben tun wir nur um zu beweisen, dass der Rest der Welt Unrecht hatte? Gut ist, wenn wir rechtzeitig die Kurve bekommen und vielleicht, daraus wirklich etwas lernen, nämlich wer wir wirklich sind und was wir wirklich wollen. Vielleicht finden wir auch irgenwann einen Weg zu sagen, nein, für mich stimmt diese allgemeingültige Weisheit nicht, weil ich in diesem oder jenem Punkt anders bin und deswegen eine Situation ganz anders erlebe. Vielleicht lernen wir auch daraus selbst vorsichtig zu sein mit Ratschlägen. Ich erinnere mich noch an einen Momen, als mir gesagt wurde: "Auch Ratschläge sind Schläge!" In dem Moment habe ich mich furchtbar geärgert, denn ich hatte ein Problem und wollte Hilfe und das war alles, was ich bekam, aber jedes mal, wenn mich jemand um Rat fragt, muss ich daran denken und erkenne, dass es so wahr ist und dass alles, was man in dem Moment sagt nur falsch sein kann, allerdings auch der Satz: Auch Ratschläge sind Schläge.
Manchmal sollten wir einfach nur einen Arm und ein Taschentuch reichen und es ist mehr als jedes Wort.

Dienstag, 20. September 2011

Von Waldfrucht und anderen Gewohnheitsmonstern

Ich hab eine neue Mitbewohnerin. Aber nur kurz. Und ausgesucht hab ich sie mir auch nicht. Oder naja, zumindest nicht wirklich. Ja wie nun? - Ja so: Meine ursprüngliche, von mir heißgeliebte und für perfekt erachtete Mitbewohnerin musste aus beruflichen Gründen drei Monate fort. Um die Miete wieder reinzubekommen, wurde also fix eine temporäre Mitbewohnerin gesucht. Da stand auch schon Waldfrucht [Name von der Redaktion geändert] vor der Tür. Meine Mitbewohnerin fand sie gut, also gab ich relativ spontan mein Okay. Flink war Waldfrucht dann bei mir in der Wohnung. Eine Fremde! Bei mir, die ich meine einsamen Stunden doch so genieße und im Eva-Kostüm durch die Wohnung flitze! Daran sollte Waldfrucht jetzt also teilhaben. Und schon bald fand ich überall Anzeichen von Wohnlichkeit. Die bunten, mamagestrickten Puschen auf der Schuhablage. Die dreifache Dosis Milch im Kühlschrank ("oh, ich hab auch welche gekauft!"). Das Fönkabel, das seit neustem zu exotischen Knoten verkettet wird, bevor es über seinem Haken hängt... 'hey, das geht so nicht!', ruft das Monster namens Gewohnheitstrott in mir. 'Und noch ganz andere Dinge sind nicht okay, du!' 'Guck mal', sagt das GeWoTro-Monster, 'die Spülbürste ist ganz verknickert und abgenutzt seit neustem. Das kommt davon, weil Waldfrucht damit viel zu dolle scheuert, und zwar nicht im wasservollen Spülbecken, sondern nur unter einem laufenden Wasserstrahl! Ja du weißt doch, wie viel Wasser das verbraucht?!' Ich gebe GeWoTro Recht und merke, dass sich meine Stirn runzelt. Schon zeigt es auf die nächste 'schräge Nummer! Die Waldfrucht lässt die Kühlschranktür ja noch länger offen stehen als du! Dabei bist du schon knapp an deiner eigenen Toleranzgrenze damit.' - Ja, sage ich, ja GeWoTro, und merke, wie meine Schultern sich verspannen. Aber Gnade bekomme ich nicht: 'Und hast du jetzt mal mitgezählt, wie oft du den Badezimmer-Mülleimer-Deckel wieder runtergeklappt hast, weil die Olle das vergessen hat?!' Ich will dem Monster erläutern, dass mich das doch gar nicht stört und dass ich sicherlich auch meine Macken habe, aber es gestikuliert nur fragend mit denn Händen - denn inzwischen hat Waldfrucht ihre Musik ohrenbetäubend laut angeschaltet, feinster Hiphop dröhnt uns um die Ohren. GeWoTro wird plötzlich ruhig, wir gucken uns an, und teilen eindeutig denselben Gedanken: Ich höre auch gerne Musik. Wir trinken einen Tee, und als die Musik wieder aus ist, setzen wir unser Gespräch fort. 'Weißt du noch, als Waldfrucht ihre schräge, laute Freundin da hatte?' - Ja, ich weiß noch, die war ganz schön laut. - 'Ach iwo, war sie gar nicht! Die war total lieb und interessiert, hatte halt ne laute Stimme, aber du hast doch sogar verschlafen, als die vom Feiern nach Hause gekommen sind.' - Ja... ja okay. War eigentlich echt nett, dass die da war. Und seit die Waldfrucht ständig abspült, ist auch irgendwie weniger schmutziges Geschirr in der Küche... Ich bin noch ein bisschen trotzig und hole mein Hammer-Argument raus: Aber sie hat doch gesagt, sie will hier ein Praktikum machen, und sie hat immernoch keinen Praktikumsplatz. Obwohl sie so fest davon überzeugt war. Zeigt das nicht Selbstüberschätzung? Schlechte Planung? Oder wenigstens Unzuverlässigkeit? Das kleine Monster GeWoTro lächelt bitter, selten argumentieren wir so offen miteinander. 'Es zeugt davon, dass sie an sich selber glaubt. Und nicht aufgibt und mutige Schritte wagt. Könntest du dir eigentlich mal eine Scheibe von abschneiden, neechan.' Ich habe verstanden. Neue Menschen bedeuten immer ein neues Universum der Gewohnheiten. Nur weil Waldfrucht nie meiner echten Mitbewohnerin das Wasser wird reichen können, heißt das nicht, dass sie kein toller Mensch ist. Schließlich ist es so schön, einen Menschen und seine Gewohnheiten kennenzulernen, wenn man es langsam angeht. Und ich habe jetzt eben den Express-Kurs Waldfrucht gebucht: erst zusammen leben, dann näher kennenlernen.

Vom Menschsein und anderen Luxusgütern

Wie lange braucht der Mensch sich an eine neue Lebenssituation anzupassen, wie schnell können wir unser Konsumverhalten an neue Umstände anpassen und wie lange dauert diese Änderung an, wenn die alten Umstände wieder auftreten? Wenn wir einen Monat plötzlich unendlich viel Geld zur Verfügung hätten, wie schnell würden wir uns daran gewöhnen und wie lange würde es dauern sich diesen Überflusskonsum wieder abzugewöhnen, wenn wir wieder in normalen finanziellen Umständen leben würden, könnten wir die Zeit als Geschenk betrachten und danach vielleicht sogar kürzer treten, weil wir uns gerade viele Sachen gegönnt haben oder würde wir dann dauerhaft über die Stränge schlagen. Wie wäre es andersherum, wenn wir plötzlich einen Monat lang extrem sparen müssten, würden wir uns dann erst mal etwas besonderes gönnen, wenn wir wieder Geld hätten oder könnten wir daraus wirklich längerfristig etwas für unser Leben lernen?  Mal angenommen wir finden unsere persönliche Antwort auf diese Gedanken, lassen diese sich auch auf andere Lebensbereiche, wie Essen, Alkohol, Fernseh- oder Internetkonsum, übertragen oder spielen bei diesen Genusselementen noch ganz andere Fragen eine Rolle?
Ich werfe ungern Fragen auf ohne dem Versuch der Beantwortung, aber ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung. Ich würde noch nicht einmal sagen, das es vom Typ Mensch abhängt.
Warum stellt eine kichererbse so komplizierte Fragen? Weil sie eigentlich auf eine ganz andere Frage eine Antwort sucht: Was ist Luxus? 
Luxus ist eine für viele Menschen erstrebenswerte, aber unerreichbare Lebensform, die sich in materiellen und immateriellen Luxus untergliedern lässt.
Bei materiellem Luxus bin ich recht bescheiden -finde ich- mir reicht es schon, wenn ich auf nichts verzichten muss, woran ich gewöhnt bin. Wobei die Betonung hier auf "muss" liegt, das heißt, ich bin durchaus in der Lage zu verzichten, wenn ich es freiwillig tue oder der Meinung bin, dass es gut für mich ist. 
Es hört sich aber wahrscheinlich auch nur für mich und einen kleinen Teil der Menschheit bescheiden an, denn das, was ich als Standard betrachte, ist für einen großen Teil der Weltbevölkerung purer Luxus.
Bei immateriellem Luxus bin ich wesentlich anspruchsvoller: Ich wünsche mir geliebt zu werden und zwar von allen, naja sagen wir zumindest gemocht zu werden. Ich wünsche mir immer glücklich zu sein, ich wünsche mir immer freundlich zu sein, ich wünsche mir vorallem weise zu sein, und für die Menschen die mich brauchen wirklich da sein zu können und immer zu wissen, was sie gerade brauchen und natürlich wünsche ich mir Gesundheit.
Einige vermissen hier vielleicht die Aufzählung von Freizeit, die in der üblichen Definition unter immateriellen Luxus fällt, aber für mich fällt Freizeit unter materiellen Luxus, denn man kann sie mehr oder weniger kaufen: Wenn man genug Geld hat, muss man nicht mehr arbeiten und hat mehr Freizeit. 
Aber alle die aufgezählten Wünsche sind nur in sehr kleinem Maß erfüllbar. Viele versuchen den Mangel an immateriellen Luxus durch materiellen Luxus aufzufüllen und stehen früher oder später am Abgrund, in der Schuldenfalle, kurz vor einer Sucht oder werden völlig desillusioniert menschenfeindlich. Vielleicht ist es deswegen so wichtig unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen (siehe Einleitung).


Luxus ist und bleibt also etwas Unerreichbares, egal wie viel wir haben, es wird immer etwas geben, wonach wir uns sehnen.

Montag, 15. August 2011

Von Helden und anderen Charakterschwächen

Held versus Superheld,
Während der erste sich laut Definition durch einen edelmütigen Charakter gepaart mit körperlichem Geschick auszeichnet und sowohl fiktiv als auch real existieren kann, zeichnet sich der andere durch übermenschliche körperliche Fähigkeiten und/oder High-Tech-Waffen aus und kann nur fiktiv existieren.
Der klassische Held ist in heutiger Zeit eher aus der Mode gekommen. Meist findet man ihn nur noch mit Ironie gepaart in unserem alltäglichen Sprachgebrauch ("Du bist mir vielleicht ein Held"). Aber der Held ist auch durch inflationären Gebrauch des Wortes in Verruf geraten. Ich deklariere mindestens einmal wöchentlich jemand zu meinem persönlichen Helden, ohne das dieser jemand meinen Ansprüchen an einen echten Helden jemals genügen könnte, wenn ich genauer darüber nachdenken würde.
Aber obwohl diverse Definitionen behaupten der Held könne auch real existieren, frage ich mich, ob es wirklich Menschen mit solch edelmütigem Charakter geben kann, an Menschen mit herausragendem körperlichem Geschick kann ich ja durchaus noch glauben. Je mehr Heldenbeispiele ich lese, desto skeptischer werde ich, verschleiern manche Menschen nicht vielmehr mit einer großmütigen Geste irgendeine Schandtat in ihrem Leben? Eine andere Definition die ich gelesen habe sagt, dass Helden Menschen sind die für andere oder für eine Idee große Taten vollbringen und dafür ihr Leben wagen. Ich glaube, das ist die Heldendefinition der meisten Menschen, mir reicht das aber irgendwie nicht, beziehungsweise ist das für mich der klassische Superheld, der sein Leben darauf ausgerichtet hat, die Menschen (im Kleinen) oder die Menschheit (im Großen) zu retten und dabei jedes Mal sein Leben, seine Liebe oder seine Kräfte auf's Spiel setzt, dabei darf er auch Fehler machen oder er darf, wenn er gerade niemanden rettet durchaus persönliche (Charakter)Schwächen haben.
Der wahre Held dagegen ist für mich fehlerlos und auf ewig der guten Sache versprochen. Er glänzt mit Weisheit und zeichnet sich dadurch aus das er Gerechtigkeit kompromisslos durchsetzt.
Helden wären für mich Zorro, aber der ist nur ein Romanheld und Jeanne d'Arc, aber ihr Heldenleben ist wahrscheinlich mehr Mythos als Wahrheit. Womit ich zu dem Schluss komme echte Helden gibt es nicht, Superhelden hingegen, die angeblich nur fiktiv existieren gibt es in meiner Welt und jeder der das Leben eines Anderen unter Einsatz des eigenen Lebens rettet wird für mich zum Superhelden.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Von Humor und anderen Herzensangelegenheiten

Sie: "Ach Mensch, kannst du mich nicht einmal ernst nehmen?"
Er: "Tut mir Leid, aber dafür liebe ich dich viel zu sehr!"

Die ein oder andere Frau wird jetzt entsetzt sein. Aber ich habe mich bei diesem Dialog gefragt, was können wir von diesem Pärchen lernen? Was hat dieses Paar, was andere nicht haben?
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Beziehung von 3 wesentlichen Merkmalen gekennzeichnet ist:

  1. tiefe Liebe, denn es ist ein öffentliches offenes Liebesgeständnis, das so auch nur von beiden Partnern ge- und ertragen werden kann, wenn wirkliche Gefühle auf beiden Seiten vorhanden ist.
  2. echte Ehrlichkeit, die scheinbar knallhart und trotzdem liebevoll formuliert wird. Sie ist wahrscheinlich auch nur aus Punkt 1 heraus möglich, denn im Normalfall müsste "Mann" sich eine Ausrede einfallen lassen oder er würde für diesen Satz einen Streit ernten.
  3. viel Humor, denn sie scheinen sich beide selbst nicht so ernst zu nehmen und ihren Partner auch nicht mit übergebührlichem Ernst zu begegnen. Daraus können wir wohl schlussfolgern: Die beiden haben viel zu lachen.
Gerade der letzte Punkt ist sehr interessant und nahezu erstaunlich, denn seit Jahren oder gar Jahrzehnten geben die Deutschen in allerlei (mehr oder weniger repräsentativen) Umfragen an, dass ihnen Humor an ihrem Partner besonders wichtig ist oder wäre, gerade weil oder doch eher obwohl? die Deutschen eher dafür bekannt sind zum lachen in den Keller zu gehen, am allerliebsten zu jammern und sich grundsätzlich erstmal zu beschweren, sogar über Kinderlachen vor der Haustür.
Aber wie muss ein Partner mit Humor sein? Wollen wir jemanden, der uns einen Schenkelklopfer nach dem nächsten erzählt oder oder wollen wir jemanden, der sich den ganzen Tag zum Clown macht oder wollen wir eher jemanden, der alles und auch wirklich alles waaaaaahnsinnig witzig findet, was wir tun oder sagen oder wollen wir vielleicht sogar all das auf einmal? Wohl eher nicht!
Für viele bedeutet der Wunsch "ein Partner mit Humor": Ich will jemanden, der mich aus meiner Jammerei herauszieht, ich will jemanden, der mir meinen grauen Alltag versüßt, ich will jemanden, der tolle Ideen hat, wie man ganz viel Spaß haben kann.
Immer wenn ich mir das bewusst mache, wundere ich mich nicht über ständig scheiternde Beziehungen und über immens hohe Scheidungsraten, denn so funktioniert das Leben und besonders der Alltag einfach nicht. Unser Lebens(abschnitts)partner kann nicht permanent unser Animateur oder unser ganz persönlicher Dauerbespaßer, sein.
Wenn wir unser Leben, wie es ist blöd finden, dann finden wir es auch nach kurzer Zeit mit neuem Partner blöd und noch blöder finden wir, dass unser Leben nicht zu einem wundertollen Leben machen kann und er findet blöd, dass wir alles blöd finden und sollte er mal Humor gehabt haben, hat er in unserer Nähe bald nichts mehr zu lachen.
Humor sollten wir in erster Linie selbst haben. Nur wenn wir Spaß an unserem Leben haben und uns und die negativen Dinge, die uns passieren nicht so ernst nehmen, können wir herzlich lachen und fröhlich sein und den Charme und Humor anderer erkennen und ein glückliches Leben führen.